Buchausschnitt aus: Zeugen für das Jenseits : Origenes, Katharina von Genua, Emanuel Swedenborg, Anna Katharina, Emmerick, Jakob Lorber, Klara Kern

Autor: Heintschel-Heinegg, Aglaja (Zürich, Swedenborg-Verl., 1974)



Emanuel Swedenborg


1


Wir Menschen von heute blicken auf diesen Mann zurück aus einer Distanz von rund zweihundert Jahren. Ob das eine beträchtliche Zeitspanne darstellt oder auch nur eine lächerlich geringe, ist Ansichtssache. Jeder freilich, der über ihn mehr als bloß ein paar oberflächliche Daten zu erfahren wünscht, wird in diesem zeitlichen Abstand einen ungeahnten Vorteil finden. Denn wir wissen heute mehr, ungleich mehr und viel Wesentlicheres über Emanuel Swedenborg, als selbst seine besten Freunde zu seinen Lebzeiten. Nicht daß er etwa ein so verschlossenes Wesen gehabt hätte. Noch viel weniger war er unaufrichtig; Freunde wie Gegner haben seine bedingungslose Wahrheitsliebe stets anerkannt. Wohl aber lag es an der Natur der seltsamen Dinge, die ihm zugestoßen sind, daß er über vieles zu schweigen hatte.


Hinter zahllosen Quellen ein Mensch


Zum Glück war Swedenborg der schreibfreudige Sohn eines schreibfreudigen Zeitalters. Und so sehen wir uns vor einer Überfülle sorgfältig bewahrter Details. Sie reichen von hochinteressanten, bestgesicherten Berichten über unzählige Anekdoten und Legenden mit gutem Kern bis zu naiv-albernen Histörchen und boshaftem Klatsch. Darüber hinaus und in erster Linie verfügen wir jedoch über reiches Material von Swedenborgs eigener Hand: abgesehen von seinen vielen selbstedierten oder aus dem Nachlaß herausgegebenen naturwissenschaftlichen und theologischen Werken, handelt es sich hier besonders um seine Briefe und privaten Aufzeichnungen. Letztere sind erst um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts veröffentlicht worden, und man geht vielleicht nicht fehl mit der Vermutung, daß sich das Bild Swedenborgs dadurch entscheidend erneuert und vertieft haben dürfte.

Einige Perioden seines langen und reicherfüllten Lebens bleiben zwar nach wie vor in einem gewissen Schatten; dafür aber erfährt man über andere, oft sehr entscheidende Phasen so haargenaue und intimste Einzelheiten, daß man sich mit einemmal an der Grenze dessen sieht, was ein Mensch von einem anderen überhaupt wissen kann und darf. - Je mehr Antworten, desto mehr neue Fragen. Das Letzte bleibt unerfahrbar - glücklicherweise.


Jesper Swedberg und seine Familie


Ganz unmöglich wäre es hier, an der Gestalt des Vaters vorbeizugehen. Eigentlich stammte die Familie vom Lande, aus der Gegend von Falun. Die mystische Veranlagung der dortigen alten Bergmannsgeschlechter war bekannt, und auch Jesper Swedberg hatte sein Teil davon abbekommen. Was ihn keineswegs hinderte, getragen von einem urwüchsig kraftvollen Selbstbewußtsein, das praktische Leben höchst erfolgreich zu meistern. Der Grubenbesitzerssohn wurde Geistlicher der schwedischen Reichskirche und konnte bald auf einer großen Fahrt durch Westeuropa seinen geistigen Horizont beträchtlich erweitern. Diese Reise hat ihm die schöne Mitgift seiner ersten Frau, Sara Behm, ermöglicht; übrigens hat sich Jesper Swedberg im ganzen dreimal verheiratet und grundsätzlich nur vorteilhaft. Nach seiner Heimkehr erhielt er das Amt eines Feldpredigers beim Königlichen Garderegiment in Stockholm, und seine starke, eine naturgegebene Autorität ausstrahlende Persönlichkeit muß für den Umgang mit den Soldaten wie geschaffen gewesen sein. Aber er war auch ein eindringlicher Redner, und in der Stellung eines Hofpredigers hat sich bald darauf seine furchtlose Aufrichtigkeit und Charakterfestigkeit im besten Licht gezeigt.

Damals in Stockholm wurde ihm und Frau Sara der Sohn Emanuel geboren, vermutlich als drittes von ihren acht Kindern. Es war am 29. Januar 1688. Etwa zwei Jahre später erhielt Jesper Swedberg eine theologische Professur und verließ deshalb mit seiner Familie die Hauptstadt.


Kindheit


Der kleine Emanuel und seine Geschwister wuchsen in der alten Universitätsstadt Uppsala auf. Allzuviel ist nicht bekannt über diese Kinderzeit, sicher deshalb, weil Emanuel offenbar ein glückliches, nicht weiter auffälliges Kind gewesen ist. Freilich verlor der Kleine bereits mit acht Jahren seine Mutter, doch hatte Jesper Swedberg das Glück, für seine verwaiste Kinderschar im Handumdrehen einen freundlichen Erzieher in Gestalt eines jungen Verwandten zu finden, und sehr bald auch eine liebevolle Stiefmutter. Sie hieß abermals Sara und scheint gerade Emanuel besonders ins Herz geschlossen zu haben.

Es war ein Haus voll von einer intensiven, uns heute recht eigentümlich anmutenden Atmosphäre. Swedberg war nämlich weit mehr als ein frommer Pfarrer im üblichen Sinn. Seit seiner eigenen Kindheit schon waren ihm die Realitäten der irdischen und der überirdischen Welt zu einer nahtlosen Einheit verschmolzen, und so war in seinem Haus nicht nur der altchristliche Glaube an Engel und Teufel eine Selbstverständlichkeit, sondern es gehörte auch deren ständiges, höchst aktives Eingreifen einfach zum täglichen Leben. Jesper Swedberg hatte selbst mehrmals visionäre Erlebnisse und ist in späteren Jahren ein weitum bekannter und oft um Hilfe gebetener Exorzist geworden; auf diesem wie auf jedem anderen Gebiet war er eben durchaus ein Mann der Tat. Im übrigen erwies er sich als eifriger Förderer des damals gerade sich in Schweden verbreitenden Pietismus, der eine Vertiefung des persönlichen Glaubenslebens, Bereitschaft zur Buße und tatkräftige Nächstenliebe anstrebte. Daneben scheute Pfarrer Swedberg sich nicht, auch eigene, höchst unorthodoxe Ansichten zu verfechten, so z.B. den Gedanken, daß die Verstorbenen für die Lebenden Fürbitte einlegen: gerade dieser Punkt hat ihm Anfeindungen eingebracht.

All diese Dinge hat der kleine Emanuel in sein erwachendes Bewußtsein aufgenommen, und sie formten seine kindlichen Interessen. Als alter Mann schreibt er rückschauend in einem Briefe:

»Von meinen vierten bis zehnten Jahre waren meine Gedanken ständig mit Gott, der Seligkeit und den geistigen Zuständen der Menschen beschäftigt.« - Vielleicht sollte aber ausdrücklich betont werden, daß noch keinerlei visionäre Begabung an dem Kind hervortrat; die Erbanlage war zwar vorhanden, hat aber durch viele Jahrzehnte geruht.


Studienjahre und erste große Reise


Im Jahr 1703 erreicht Jesper Swedberg den Gipfel seiner Karriere: er wird Bischof von Skara. Wegen der damit verbundenen Übersiedelung in das nahe von Skara gelegene Brunsbo läßt er den eben fünfzehnjährigen Emanuel des Studiums halber im Haus seines Schwiegersohnes Erik Benzelius zurück. Dieser selbst noch ziemlich junge Schwager, damals erst Bibliothekar, doch schon ein wissenschaftlich hochgebildeter Mann, wird Emanuel rasch ein verständnisvoller Berater und guter Freund. Der junge Swedberg entdeckt, daß er für die Wissenschaften geboren ist, und nimmt in vollen Zügen alles in sich auf, was ihm Uppsala nur bietet. Seine Neigung gilt dem weiten Feld der damaligen Naturwissenschaften, fürs erste der Mathematik, Geometrie und Astronomie, bald auch in steigendem Maß den praktisch-technischen Fächern. Reine Theorie hat ihn nämlich weder damals noch später je befriedigt.

1709 schließt er seine Studien in Uppsala ab und, nach einem kurzen Zwischenspiel zuhause in dem geistig öden Brunsbo, gelingt es ihm, dem Vater die Erlaubnis zu der schon lange ersehnten Auslandsreise abzuringen. Im September 1710 geht es zunächst nach England, wo er bei Newton und den anderen wissenschaftlichen Größen jener Zeit studiert, hierauf nach Holland, Frankreich und Deutschland. Überall bemüht er sich sofort um Kontakte mit möglichst allen bekannten Gelehrten, Bibliotheken, Observatorien und sonstigen Stätten der Wissenschaft, ist aber nebenbei auch eifrig auf seine praktische Fortbildung bei verschiedenen Handwerkern bedacht, wie etwa bei Uhrmachern und Mechanikern - alles möglichst kostenlos, denn von zuhause, wo man seine sich immer länger dehnende Abwesenheit wohl mit stirnrunzelnder Sorge betrachtet, wird er äußerst knapp gehalten. In seinen inhaltsreichen, höchst lebhaft und mit viel jugendlichem Selbstgefühl abgefaßten Briefen beklagt er sich bitter über diesen Geldmangel, und Schwager Benzelius darf jetzt und später noch öfters zwischen Sohn und Vater den Vermittler spielen. Emanuel ist zwar gezwungen, seine Lebensbedürfnisse zeitweilig aufs äußerste zu reduzieren, sonst aber gelingt ihm offenbar fast alles nach Wunsch. Der wissensdurstige junge Mann aus dem fernen Schweden muß ein ungemein ansprechendes Wesen gehabt haben, denn er findet überall offene Türen und die gesuchten Möglichkeiten zum Lernen.

Erst nach beinahe fünf Jahren kehrt er endlich heim, bewaffnet mit einer Sammlung technischer Zeichnungen von kühnen Zukunftserfindungen, wie z.B. einem Tauchboot und einer Flugmaschine - Ideen, wie sie damals schon in so manchen genialen Köpfen umgingen. Emanuels eigener Kopf jedenfalls war übervoll von brandneuen Kenntnissen, interessanten Projekten und hochfliegenden Plänen.


Polhem und Karl XII


Die Heimkehr ins altväterische Schweden brachte ihm fürs erste eine eher unsanfte, aber heilsame Ernüchterung. Natürlich war das Dasein in dem provinziellen Vaterhaus für Emanuel nun unerträglicher denn je. Mit allen Mitteln strebte er nach einer sofortigen selbständigen Position, am liebsten einer Professur in Uppsala; doch trotz der Unterstützung durch Benzelius war da nicht so bald etwas zu machen. Erschwerend kam dazu eine deutliche Entfremdung zwischen Emanuel und dem Vater, dem weder die allzu moderne Studienrichtung noch das verweltlichte Auftreten des Sohnes gefallen haben mögen, und am wenigsten seine ziemlich kostspielig anmutenden Projekte.

Diese wurden auch vernünftigerweise bald beiseitegelegt, und Emanuel begann unter den Auspizien von Christopher Polhem, dem bedeutendsten Naturwissenschaftler und Ingenieur des damaligen Schweden, eine Fachzeitschrift herauszugeben und gleichzeitig praktisch als Techniker zu arbeiten. Durch Polhem kam er auch in Berührung mit dem König, dem wissenschaftlich interessierten Karl XII., den der eminent begabte und energiegeladene junge Mann stark beeindruckt haben muß. Trotz verschiedener Gegenintrigen verlieh er Emanuel die Stellung eines außerordentlichen Assessors im Bergwerkskollegium und unterhielt sich mit ihm durch einige Zeit hindurch beinahe täglich über mathematische Themen. Zum erstenmal konnte der junge Swedberg nun seine enorme Leistungsfähigkeit auf den verschiedensten praktischen und theoretischen Gebieten zum Einsatz bringen. Die so hoffnungsvolle Freundschaft mit seinem König fand freilich ein jähes Ende durch dessen gewaltsamen und mysteriösen Tod im November 1718.


Der Bergwerksassessor


Für den Dreißigjährigen kam nun abermals eine schwierige Periode. Die berufliche wie private Verbindung mit Polhem löste sich auf. Inzwischen aber hatte sich Emanuel in sein Amt als Bergassessor so gründlich eingearbeitet, daß es ihm nach Überwindung jahrelanger mißgünstiger Intrigen zu einer soliden Grundlage seiner weiteren Existenz werden konnte.

1719 wurde die Familie auf Grund der Verdienste von Bischof Jesper geadelt und Emanuel führt von da an den Namen Swedenborg. In den folgenden Jahren erinnerte man sich seiner auch wieder in Uppsala. 1724 wurde ihm eine mathematische Professur als Nachfolger des berühmten Celsius angeboten; doch eine akademische Laufbahn und vielleicht sogar die Mathematik an sich hatten für ihn keinen Reiz mehr. Er lehnte ab.

Nicht daß er sich von der Wissenschaft überhaupt abgewendet hätte, ganz im Gegenteil. Neben seiner Amtstätigkeit verfaßte er immer neue Abhandlungen, zunächst besonders auf dem Gebiet der Geologie und Mineralogie, und ließ sie im Ausland, zumeist in Deutschland, erscheinen, um sich auch in Mitteleuropa einen Namen zu machen. Der Forschertrieb war ihm angeboren, nicht weniger übrigens auch ein gewisser Wandertrieb; beide haben ihn nie verlassen. Er verstand es sehr gut, diese Neigungen mit seinen Amtspflichten in Einklang zu bringen, indem er sich immer wieder zu längeren Auslandsreisen beurlauben ließ, bei welchen er nicht nur seine Werke herausgab, sondern auch eine Reihe von Bergwerken in Deutschland und Böhmen besuchte und mit wertvollen Reformvorschlägen für das schwedische Grubenwesen heimkehrte.

Diese Lebensweise mag den Neid so manches Kollegen erweckt haben. Sie war Swedenborg nicht zuletzt deshalb möglich, weil er sich inzwischen auch im Privatleben für ein ungebundenes Dasein entschieden hatte. Nachdem ihm die Bewerbung um eine Tochter Polhems und - vielleicht - noch eine weitere fehlgeschlagen waren, ist er unverheiratet geblieben.


Der Weg durch die Wissenschaften


1734 erschien sein erstes großes Werk "Grundlagen der Natur" ("Principia"). Es festigte sein Ansehen in der Heimat und machte auch das Ausland nachdrücklich auf den schwedischen Gelehrten aufmerksam.

Swedenborg hätte sich arriviert fühlen dürfen. - Tat er das wirklich? - Auf jeden Fall war es ihm nicht gegeben, sich auf einem bestimmten wissenschaftlichen Fachgebiet geruhsam niederzulassen und die Früchte seiner Arbeit zu genießen. Immer war er unterwegs, mußte weiter. Und in der Tat, er hatte noch einen sehr weiten Weg vor sich.

In den "Grundlagen der Natur" vertritt er noch, auf Grund einer enormen Fülle von Kenntnissen auf den verschiedensten Gebieten und mit nicht wenig Scharfsinn, ein fast rein mechanistisch-geometrisches Weltbild; bei der Erklärung der Prinzipien des Lebens und der menschlichen Seele empfindet er aber selbst, daß er an einer Grenze angelangt ist. Entschlossen hat er diese überschritten und sich von der leblosen zur belebten Natur gewendet.

1736, ein Jahr nach dem Tod des Vaters, nimmt er Urlaub für eine neue große Fahrt. Zunächst hält er sich für anderthalb Jahre in Paris auf. Zum erstenmal verfügt er jetzt über reichlich Zeit und Geld; er besichtigt sämtliche Sehenswürdigkeiten, besucht oft und gern das Theater und - als großer Musikliebhaber - besonders die Oper, nimmt dank seiner Verbindungen an diversen gesellschaftlichen Ereignissen teil. Der eigentliche Zweck seines Aufenthalts, über den er kaum etwas verlauten läßt, ist aber offenbar das Studium einer neuen, in Schweden noch wenig renommierten Wissenschaft, die er nur in Paris auch in praktischen Demonstrationen kennenlernen kann, nämlich der Anatomie. Sie wird unter den Naturwissenschaften seine letzte große Liebe und hat auch sein späteres theologisches Weltbild nachhaltig beeinflußt.

Bei dem anschließenden etwa einjährigen Aufenthalt in Italien hat Swedenborg die anatomischen Studien wohl noch fortgesetzt, ebenso auch die Arbeit an einem neuen großen Werk. Bei der Heimkehr 1739 war es vollendet. Es trägt den kaum korrekt übersetzbaren Titel "Oeconomia regni animalis" und bietet eine ganz neue Weltanschauung: die gesamte Natur als ungeheurer, vom göttlichen Leben durchpulster Organismus.

Um es gleich vorwegzunehmen: In den Jahren 1744/45 erschienen die ersten Teile eines weiteren gewaltig angelegten Werkes, des "Regnum animale"; doch fällt diese Edition bereits zusammen mit Swedenborgs religiöser Umkehr-Krise.

Diese seine naturwissenschaftlichen Arbeiten brachten Swedenborg nicht nur hohes Ansehen bei den Zeitgenossen. Auch in unserem Jahrhundert haben sie steigendes Interesse bei Gelehrten verschiedener Fachrichtungen erregt, denn Swedenborgs Anschauungen erscheinen in mehr als einer Beziehung geradezu bestürzend modern, ja zukunftsträchtig. Es sei nur auf seine Lehre vom Zusammenhang zwischen Materie und Energie oder auf die grundlegenden Ergebnisse seiner Hirnforschung hingewiesen.


Erste Zeichen


Allerdings dürfte sich heute um die wissenschaftlichen Leistungen dieses Gelehrten des achtzehnten Jahrhunderts kaum noch jemand kümmern, wäre Swedenborg nicht durch etwas ganz anderes berühmt geworden. Dieses ganz andere, seine einzigartige Gabe, hat sich langsam, man möchte sagen richtig organisch, entwickelt und ist nur schrittweise ans Licht getreten.

Schon auf der erwähnten langen Reise, etwa seit dem Herbst 1736, beginnt er etwas Ungewohntes, Neuartiges in seinem Inneren zu fühlen. Leider sind die Aufzeichnungen seiner allerersten Erfahrungen aus diesen Jahren verschwunden. Später schreibt er einmal rückschauend über diese Zeit: »Während einiger Jahre hatte ich nicht nur Träume, durch die ich über Dinge belehrt wurde, über die ich eben schrieb, sondern ich erfuhr auch während des Schreibens Veränderungen meines Zustandes, indem ein außerordentliches Licht in den Dingen erschien, die ich schrieb.« - Was es mit diesem "Licht in den Dingen" auf sich hat, erklärt er deutlicher an einer anderen Stelle: »Die geborenen Gelehrten aber besitzen die seltene Fähigkeit, von gegebenen Phänomenen aus die Ursachen der Dinge zu finden ... Wenn solche geborene Denker nach einer langen Gedankenkette eine Wahrheit finden, fühlen sie ein belebendes Licht, eine Art bestätigenden Blitzes, der die Sphäre ihrer Vernunft erhellt, eine gewisse geheime Strahlung, die den heiligen Tempel des Gehirns durchfährt.« - Also offenbar ein Erlebnis jäher Evidenz, wie es so mancher kennen dürfte, in diesem Fall noch verbunden mit einer gewissen inneren Lichterscheinung.

Ein weiterer Ansatzpunkt des Neuen sind seine Träume, von denen Swedenborg ebenfalls nicht wenige in konkrete Verbindung mit seiner augenblicklichen wissenschaftlichen Arbeit setzt. An der oben zuerst zitierten Stelle - aus seinem "Geistigen Tagebuch" - erzählt er weiter: »Später hatte ich mancherlei Visionen mit geschlossenen Augen und wunderbare Erleuchtungen ... Ich sah feurige Lichter und hörte Gespräche am frühen Morgen nebst vielen anderen Dingen... «

Das klingt schon eher befremdlich. Wie hat Swedenborg selbst darauf reagiert? Er war, wie gesagt, durch und durch Naturwissenschaftler, ein Mann mit bestgeschulter Urteilskraft und einer gesunden Portion Skepsis. Ganz und gar nicht war er gewillt, diese verwirrenden Erscheinungen unbesehen hinzunehmen. Die langsam aber stetig wachsenden neuen Manifestationen haben ihn begreiflicherweise zutiefst aufgewühlt und in eine mehrjährige schwere Krisenzeit geführt.


Ostern 1744


Eine Frage wird jetzt spruchreif: Wie stand Swedenborg damals zur Religion?

Sehr im Gegensatz zu seinem Vater war er als Erwachsener an theologischen oder gar kirchlichen Fragen weitgehend desinteressiert gewesen, ja seine Briefe und bisherigen Reisetagebücher verraten nicht einmal etwas über sein persönliches religiöses Empfinden - höchstwahrscheinlich gerade eine Reaktion auf die allzu betont geistliche Erziehung. Andererseits aber geht aus seinen wissenschaftlichen Werken hervor, daß Swedenborg beileibe kein aufgeklärter Atheist, sondern ein tiefgläubiger Mensch war, ganz ebenso wie viele andere berühmte Gelehrte seiner Zeit, wie z. B. Leibniz und Newton; die Natur mit all ihren Wundern war ihm eine Offenbarung ihres Schöpfers.

Im Jahr 1743 finden wir ihn, nach einer mehrjährigen Amtstätigkeit zuhause, wieder einmal unterwegs. Zweck seiner Reise war die Drucklegung seines neuesten großen Werkes, des "Regnum animale". Seine diesmal erhaltenen persönlichen Aufzeichnungen zeigen Swedenborg mitten in einer ernsten seelischen Krise.

Nach wie vor hält er seine Träume schriftlich fest und versucht eine rationale, geradezu tiefenpsychologische Deutung. - Was sind das für Träume? - Nun, nicht wenige sind ausgesprochene Angstträume, die ihm drohende Gefahren anzuzeigen scheinen und ihm gleichzeitig seine Unvollkommenheit vor Augen führen; andere wieder erwecken geheimnisvolle Hoffnungen, Aussichten auf eine ganz neuartige Existenz. - Swedenborg hält mit sich selbst Abrechnung, eine ernste Gewissenserforschung enthüllt ihm seine Hauptfehler: seinen Gelehrtendünkel, seine Eitelkeit, seine - echt barocke - Sinnenneigung zu allen Genüssen des Lebens; schwerer aber noch wiegen seine Ehrsucht und Egozentrik. Er versucht energisch dagegen anzugehen - mit wechselndem Erfolg; gleichzeitig aber fühlt er in sich doch eine selbsttätig fortschreitende sittliche Umwandlung.

Entscheidend werden für ihn die Ostertage 1744, die er in der niederländischen Stadt Delft zubringt. Er hat das Abendmahl empfangen, wird aber von schweren inneren Kämpfen, von Anfechtungen, von ekstatischen Glückserlebnissen, hin und her geworfen. Der Höhepunkt tritt in der Nacht des Ostermontag ein. Unter dem Datum vom 6./7. April 1744 berichtet das Reisetagebuch, wie er zunächst die Zweifel, die ihm beim abendlichen Lesen der Bibel aufsteigen. niederkämpft, und fährt dann fort:

»Um zehn Uhr ging ich zu Bett, und etwas mehr als eine halbe Stunde später hörte ich ein Geräusch unter meinem Kopf. Ich dachte, der Versucher sei zugegen. Unmittelbar nachher überkam mich ein Zittern, das mich gewaltig vom Kopf aus über den ganzen Leib hinweg ergriff und das von einem Geräusch begleitet war. Dies wiederholte sich mehrere Male. Ich fühlte, daß etwas Heiliges über mich kam. Ich fiel dann in Schlaf, und gegen zwölf, ein oder zwei Uhr nachts ergriff mich ein gewaltiges Zittern von Kopf zu Fuß, das von einem Geräusch begleitet war, wie ein Zusammenprall vieler Winde. Durch dieses unbeschreibliche Geräusch wurde ich erschüttert und auf mein Angesicht geworfen. In dem Augenblick, da ich so niedergeworfen wurde, erwachte ich ganz, und da sah ich, daß ich auf den Boden hingestreckt lag. Ich wunderte mich, was dies bedeute, und redete dann in wachem Zustand. Ich bemerkte, daß folgende Worte in meinen Mund gelegt wurden: "O Du allmächtiger Jesus Christus, der Du in Deiner großen Barmherzigkeit geruhtest, zu einem solchen Sünder zu kommen, mache mich Deiner Gnade würdig!" Ich erhob meine Hände und betete, als eine Hand kam und meine Hände heftig drückte. Ich setzte dann mein Gebet fort und sprach: "O Du, der Du verheißen hast, in Gnaden alle Sünder anzunehmen, Du kannst nicht anders als Dein Wort halten!" Da lag ich an Seiner Brust und schaute Ihn an von Angesicht zu Angesicht. Es war ein Gesicht mit einem solchen Ausdruck der Heiligkeit, daß ich es nicht beschreiben kann. Er lächelte, und ich glaube wirklich, daß Sein Gesicht so war während Seines Erdenlebens. Er wandte sich mir zu und fragte mich, ob ich einen Gesundheitspaß habe. Ich antwortete: "O Herr, das weißt Du besser als ich!" worauf Er sagte: "Tue es also!" Dies bedeutet, wie ich es in meinem Sinn verstand: "Liebe mich wirklich!" oder: "Tue, was du versprochen hast!" O Gott, verleihe mir die Gnade dazu! Ich verstand, daß ich das nicht aus eigener Kraft tun konnte. Dann erwachte ich in einem Zittern.«

(Der "Gesundheitspaß" enthält eine Anspielung auf ein Jugenderlebnis Swedenborgs. Auf seiner ersten Auslandsreise hatte er, obwohl in Schweden die Pest ausgebrochen sein sollte, versucht, sich ohne Gesundheitspaß in England einzuschleichen, was ihn fast das Leben gekostet hätte.)

Trotz dieser erschütternden Aufzeichnung hat Swedenborg erst nach qualvollen Zweifeln und genauer Prüfung aller Umstände die Erscheinung Christi endgültig als echt anerkannt. Sie bildet einen Wendepunkt seiner Umkehr-Erlebnisse. In ganz ungeahnter Weise ist er nun zu dem Gottmenschen und Erlöser in eine höchstpersönliche Beziehung getreten, und dies bedeutet nichts anderes als die Geburt zu einem neuen Dasein. Für den schon sechsundfünfzigjährigen Mann beginnt ab jetzt ein ganz andersartiges Leben.

Er überläßt sich nun vorbehaltlos der göttlichen Führung. Seine eigenartigen inneren Erlebnisse setzen sich unentwegt fort; am 24. April etwa hört er (über sich selbst) die Worte: "Interiorescit, integratur", d.h. "er wird verinnerlicht, wird wieder ganz gemacht". Seine Gefühle in diesen Tagen aber beschreibt er so: »Ich konnte mich am besten mit einem Bauern vergleichen, der zum Fürsten oder König der Welt eingesetzt wurde und alles besitzen konnte, wonach sein Herz gelüstete ... Doch war ich in Angst, daß sich der Bauer nicht der Gnade überlassen würde.«


Tastende Versuche


Swedenborgs Angst war nicht ganz unbegründet. Bei seinem überwach-kritischen, wissensstolzen, bisher so ganz im Eigenen ruhenden Intellekt ging es auch weiterhin nicht ohne Zweifel ab, nicht ohne Kämpfe an den verschiedensten geistigen Fronten. Nach Jahren noch klagt er häufig über die Schwierigkeiten der Gebildeten gegenüber den einfachen Menschen, wenn sie sich der göttlichen Gnade öffnen sollen. Doch hat seine innere Umgestaltung sich stetig fortgesetzt, unterstützt durch eine schrittweise Reform seiner täglichen Lebensführung. Swedenborg erfuhr neue Visionen, darunter auch solche des Gekreuzigten, neue Ekstasen. Was jedoch eigentlich seine Aufgabe im äußeren Leben sein würde, blieb ihm trotz vielen Grübelns unklar.

Sehr bemerkenswert ist, daß es ihm gelungen war, alles ihm Widerfahrene streng geheim zu halten, obwohl er diese ganze Zeit über mit seinen Freunden und Bekannten zusammenkam. Er bemerkt dazu: »Inzwischen war ich ständig in Gesellschaft wie zuvor, und niemand konnte die geringste Veränderung an mir wahrnehmen. Dies war von Gottes Gnade.« - Bloß stundenweise konnte er sich zurückziehen, führte im übrigen sein gewohntes Reiseleben mit wiederholtem Ortswechsel weiter. Da er stets allein unterwegs war, hatte er sich obendrein um jede Kleinigkeit selbst zu kümmern. Hier zeigt sich bereits seine verblüffende Fähigkeit, ein richtiges Doppelleben zu führen. - Gleichzeitig setzte er sein begonnenes naturwissenschaftliches Werk fort, ja im Herbst 1744 begann er - auf eine innere Weisung hin - eine neue Arbeit, eine Art Schöpfungsepos, "De Cultu et Amore Dei", das bereits einige großartige Visionsberichte enthält.

Beide Werke bleiben jedoch unvollendet. Denn endlich erhält Swedenborg auf sein Fragen nach einer neuen Aufgabe Antwort.


Beratung


Mitte April 1745 ist er in London. Mehr als eine entscheidende Lebensstunde hat ihn in dieser Stadt, für die er Sympathie empfand, angetroffen. Eines Mittags speist Swedenborg im Gasthof und hat dabei eine plötzliche Vision seiner immer noch bestehenden Mängel in der plastischen Erscheinung von Kriechtieren auf dem Boden, die sich mit einem Knall auflösen; gleichzeitig hört er eine energische Vermahnung: »Iß nicht so viel!« Sehr erschrocken und nachdenklich geht er nachhause. In der folgenden Nacht jedoch wird ihm ein ganz anderes, umstürzendes Visionserlebnis zuteil, das zum Angelpunkt seines gesamten weiteren Lebens geworden ist. Swedenborg hat später darüber lediglich ein paar mündliche Andeutungen gemacht; der sonst so Schreibgewandte hat es niemals über sich gebracht, das in dieser Nacht geschaute Mysterium schriftlich niederzulegen. Nur soviel ist bekannt: Er sah eine überwältigende Lichterscheinung, Gott selbst, der ihn berief, den inneren Sinn der Heiligen Schrift aufzuschließen, und ihm gleichzeitig den Blick in die jenseitige Welt eröffnete. Seinen bewußten Verkehr mit den Bewohnern der anderen Welt hat Swedenborg später immer wieder in staunender Dankbarkeit von diesem Zeitpunkt an datiert.


"Lebendige Erfahrung" und was sie kostet


Als erstes gibt er jetzt endgültig seine begonnenen Werke auf. Dann kehrt er nach Stockholm zurück und widmet sich - rein äußerlich gesehen - wieder eifrig seiner Amtstätigkeit. Seine Freizeit gehört nun allerdings ganz dem intensiven, systematischen Studium der Bibel und der hebräischen Sprache. - Darüberhinaus setzen sich seine Erfahrungen mit der anderen Welt ständig fort. In ungeheurer Mannigfaltigkeit brechen sie alltäglich und allnächtlich über ihn herein. Durch mehrere Jahrzehnte, bis zu seinem Tod, lebt Swedenborg nun buchstäblich auf zwei Ebenen, in zwei Welten zugleich. Und immer vermag er sie klar auseinanderzuhalten, auf jeder Ebene richtig zu reagieren.

Im Jahr 1747 beendet er wenigstens seine Berufstätigkeit, nachdem er eine ebenso ehrenvolle wie lukrative Beförderung abgelehnt hat. Schon bald nach seiner Rückkehr hatte er ein anspruchsloses Haus samt einem großen, hübschen Garten im Stadtteil Südermalm erworben. Vielleicht aber blieb er auch hier noch nicht ungestört genug, denn nach erreichter Entlassung ging er sogleich wieder auf längere Zeit ins Ausland.

In diesen ersten Jahren hat Swedenborg zwar unvorstellbar viel - offenbar Tag und Nacht - geschrieben, unter anderem einen ersten großen Bibelkommentar; doch hat er nichts publiziert, wohl aus dem ganz richtigen Gefühl, daß alles noch in Gärung begriffen sei.

Wie aber war der Charakter seiner Visionen? - Das ist nicht leicht zu beschreiben. In kaum zu fassender Vielfalt strömen sie durch alle seine - inneren - Sinne ein, anfangs vielleicht am stärksten durch das Gehör, bald ebenso durch das Gesicht; aber daneben gibt es sehr häufig Gerüche-, Geschmacks-, Temperatur- und nicht selten auch Schmerzempfindungen. Inmitten von all dem bleibt Swedenborg stets unverändert der Forscher. Er beobachtet peinlich scharf, registriert alles und jedes mit geradezu pedantischer Exaktheit und bewahrt - mitunter kaum zu begreifen - auch in den verwirrendsten Erlebnissen sein klares Urteil. Geblieben ist ihm der seit jeher unstillbare Wissensdurst, die Freude am Experiment, das dauernde Auf-der-Hut-sein vor Täuschungen, vor allem aber seine naturgegebene Fähigkeit, Gesetzmäßigkeiten und Ordnungssysteme zu entdecken.

Was er mit diesen neuen Erfahrungen, besonders in den ersten Jahren, durchgemacht hat, ist kaum zu ermessen. Beseligende Ahnungen, scheu angedeutete Ergriffenheiten, paradiesische Bilder, aufblitzende Erkenntnisse wechselten unentwegt mit allen erdenklichen Versuchungen, Empfindungen dämonischer Angriffe und inneren Geschehnissen von unbeschreiblichem Grauen. Jedoch hat Swedenborg alle "Praktiken", alles, was nach Magie schmeckt, stets mit kompromißloser Strenge abgelehnt. Er tat immer nur eines: er betete. - Seine unveränderliche Grundüberzeugung war: Alles wird ihm bloß gezeigt, damit er es kennenlerne, und Gott, dem er sich vorbehaltlos überantwortet hat, wird ihn in allen Situationen heil bewahren.

Dabei blieb er sich, wie viele Stellen seiner Aufzeichnungen zeigen, der ständigen Bedrohung seiner geistigen Integrität und Gesundheit klar bewußt und hat sie kaltblütig analysiert. In späteren Jahren hat er auch immer wieder und mit großem Ernst andere vor den eminenten Gefahren, die speziell für gebildete und phantasiebegabte Menschen im gesuchten und leichtfertigen Verkehr mit den Jenseitigen liegen, gewarnt.


Schizophrenie?


Und dennoch: War dieses Gottvertrauen am Ende nicht doch vergeblich? - Ganz hart und unverblümt gefragt: War dieser Swedenborg nicht letzten Endes doch ganz einfach geistesgestört?

Verschiedene Psychologen und Psychoanalytiker haben postum an ihm schizophrene Züge festgestellt, und grundsätzlich können sie damit durchaus recht haben. - Also ein pathologischer Fall? Allerdings; nämlich "pathologisch" von derselben Art, nicht mehr und nicht weniger, wie etwa ein Franz von Assisi, ein Ignatius von Loyola, oder auch eine Katharina von Genua.

Ein rein klinischer Betrachtungsstandpunkt erzeugt hier deutliches Unbehagen, die bloße saubere Etikettierung führt nur ins Leere; denn man weiß nur zu gut, daß die Geschichte aller Religionen ihr eigentlich dynamisches, blutvolles Leben gerade aus dieser Art von Persönlichkeiten gewinnt. "Re - ligion" bedeutet nun einmal die Verbindung zu Instanzen, die außerhalb und oberhalb unserer "normalen" Welt stehen. - Und was das Phänomen der Visionen anlangt, so ist dieses einer wissenschaftlichen Untersuchung durchaus zugänglich. Vor jeder vorschnell bequemen Simplifizierung derartiger Erscheinungen wäre also zu warnen. Wer sich im besonderen über den "Fall Swedenborg" genauer zu orientieren wünscht, der darf es sich allerdings nicht ersparen, den Lebenslauf dieses Mannes und wenigstens einige von seinen nach dem Schicksalsjahr 1745 herausgegebenen Werke zu studieren; er mag dann auch den ganz erstaunlichen Einfluß verstehen lernen, den diese Schriften auf eine lange Reihe hervorragender Persönlichkeiten aus verschiedenen Kulturkreisen und Geistesgebieten immer von neuem ausgeübt haben und bis heute ausüben.


Das neue Werk


In seiner Berufungsvision war Swedenborg ausdrücklich die "Erschließung des inneren Sinnes der Heiligen Schrift" aufgetragen worden und durch lange Jahre blieb das nun sein Hauptanliegen. - Es berührt freilich sonderbar, daß die umwälzenden Erfahrungen mit der anderen Welt für den Seher selbst eigentlich fast nur ein Hilfsmittel gebildet haben. - Bei der Auslegung der Bibel ging er ungefähr nach der gleichen, aus Antike und Urchristentum stammenden Methode vor, die schon Origenes und viele Spätere angewendet hatten. Swedenborg allerdings hat zusätzlich seine übersinnlichen Erlebnisse als Bestätigungen mit eingearbeitet. - Es soll erwähnt werden, daß bereits unter den Zeitgenossen gerade manche spirituell Erfahrene zwar seine Bibelerklärungsmethode ablehnten, Swedenborgs jenseitige Erlebnisse aber voll spontaner Freude als echte, unschätzbare Tatsachenberichte anerkannt haben.

In der beschriebenen Art verfaßte er zunächst sein grundlegendes, vielbändiges Hauptwerk "Himmlische Geheimnisse" ("Arcana Caelestia"), das von 1749 bis 1756 erschien. Zwei Jahre danach veröffentlichte er eine Reihe kleinerer Arbeiten, von denen einige ausschließlich auf Grund jenseitiger Schau geschrieben sind, darunter sein wohl berühmtestes Buch "Himmel und Hölle".

Bei der Herausgabe dieser theologischen Schriften ging er übrigens sehr wohlüberlegt vor. Ebenso wie früher seine naturwissenschaftlichen Werke wurden sie nur in lateinischer Sprache und stets im Ausland - meist unter seiner persönlichen Aufsicht - gedruckt, und zwar jetzt in London oder Amsterdam, um die in Schweden und anderen Staaten bestehende Zensur zu umgehen, ferner durch lange Zeit nur anonym, was damals nicht selten war. Erst in den allerletzten Jahren, da sein Ruf als Seher bereits international verbreitet war, ließ Swedenborg seine Bücher unter seinem Namen erscheinen. Die - oft sehr hohen - Druckkosten finanzierte er selbst und verzichtete auf jeden Erlös aus dem Verkauf.


Der Brand von Stockhohn und seine Folgen


Im Spätsommer 1759, als Swedenborg wieder einmal von einer solchen Reise heimkehrte, trat ein bedeutsames Ereignis ein, über das uns ein Brief von Immanuel Kant genau unterrichtet:

»Es war im Jahr 1756 (irrtümlich für 1759), als Herr von Swedenborg gegen Ende des Septembermonats am Sonnabend, um vier Uhr nachmittags. aus England ankommend, zu Gothenburg ans Land stieg. Herr William Castel bat ihn zu sich und zugleich eine Gesellschaft von fünfzehn Personen. Des Abends um sechs Uhr war Herr von Swedenborg herausgegangen und kam entfärbt und bestürzt ins Gesellschaftszimmer zurück. Er sagte, es sei eben jetzt ein gefährlicher Brand in Stockholm am Südermalm, und das Feuer griffe sehr um sich. Er war unruhig und ging oft hinaus. Er sagte, daß das Haus eines seiner Freunde, den er nannte, schon in Asche liege und sein eigenes Haus in Gefahr sei. Um acht Uhr, nachdem er wieder herausgegangen war, sagte er freudig: "Gottlob, der Brand ist gelöscht, die dritte Tür von meinem Hause!" Diese Nachricht brachte die ganze Stadt und besonders die Gesellschaft in starke Bewegung . . . Dienstag morgens kam ein königlicher Kurier an den Gouverneur mit dem Bericht von dem Brande, vom Verlust, den er verursacht, und den Häusern, die er betroffen, an; nicht im mindesten von der Nachricht unterschieden, die Swedenborg zur selbigen Zeit gegeben hatte, denn der Brand war um acht Uhr gelöscht worden.« (Es folgt ein detaillierter Bericht über die genauen Nachforschungen, die Kants Gewährsmann angestellt hat.)

War auch Swedenborgs Haus verschont geblieben, so hat er doch in anderer Beziehung die Folgen zu spüren bekommen. Denn offenbar von diesem Zeitpunkt an ist seine komplexe übersinnliche Begabung - und bald auch sein Verkehr mit der anderen Welt - in der Stockholmer Gesellschaft und, wie der Brief Kants zeigt, auch im Ausland immer mehr bekannt geworden und hat begreiflicherweise viel Aufsehen erregt. Bisher dürften nur ganz wenige Freunde davon Kenntnis gehabt haben, denn Swedenborg lag seiner ganzen Art nach nichts ferner als Publizität um seine Person. Obendrein scheint er sich mit dem Schreiben leichter getan zu haben als mit dem Reden. Wurde er ausdrücklich danach gefragt, so sprach er freilich mit ruhiger Würde und ganz offenherzig über seine Erlebnisse. Listige oder unverschämte Fragesteller vermochte er bestens abzufertigen.

Überhaupt fiel es ihm gar nicht ein, sich etwa von allem Verkehr zurückzuziehen, und ebensowenig hat er seine weltlichen Interessen und Pflichten ganz aufgegeben. Bis zu seinem Tod hatte er seinen Sitz im schwedischen Reichsrat inne und nahm, wenn er sich in Schweden aufhielt, stets an den periodischen Sitzungen aktiv teil. Um nur ein Beispiel für seine vielseitige politische Tätigkeit anzuführen: Swedenborg hat im Jahr 1760 ein ganz hervorragendes Gutachten zur Sanierung der damals trostlosen schwedischen Währungslage eingereicht und sollte deshalb in eine Kommission für Wechsel- und Kursangelegenheiten berufen werden; er lehnte jedoch ab.


Um eine Erneuerung der Kirche


Im letzten Jahrzehnt seines Lebens hat Swedenborg eine ganze Reihe von Schriften veröffentlicht, die sich mit der Gesamtheit der christlichen Glaubenslehre befassen. Er war nicht der einzige, den das protestantische Glaubensleben und die kirchliche Praxis jenes Zeitalters vielfach enttäuschte, ja erschreckte; besonders die fruchtlosen theologischen Zänkereien, das Nachplappern kaum halbverstandener Wahrheiten, die verbreitete Lieblosigkeit und sture Selbstgerechtigkeit hat er immer wieder gerügt. Vor allem im Kampf gegen eine orthodox verknöcherte Rechtfertigungslehre versteigt er sich oft selbst zu überscharfer Polemik. Andererseits spiegelt eine lange Reihe seiner eindrucksvollsten Visionen diese Zustände in oft erschütternder Weise.

In seinen Lehrschriften gibt Swedenborg eine sehr einfach, rein und ursprünglich anmutende Glaubenslehre, die allerdings in einigen Punkten, z.B. in seiner Anschauung von der göttlichen Dreieinigkeit, wesentlich von traditionellen Auffassungen abweicht. In der philosophisch-theologischen Untermauerung tritt übrigens immer wieder eine mehr oder minder geradlinige Weiterbildung seiner alten naturphilosophischen Ansichten aus der Zeit vor 1745 zutage.

An Reformversuchen und Sektenbildungen war jene Zeit überreich. Swedenborg hat, im Gegensatz zu anderen, die Erneuerung der Kirche allein und ausschließlich durch seine Bücher angestrebt, die er allen Gebildeten und religiös Interessierten Europas zugänglich zu machen suchte. Diese seine eigentümlich unpropagandistische Haltung hängt vielleicht damit zusammen, daß er jede - auch die psychologische - Nötigung und Überredung abgelehnt hat. Eine Schrift kann jeder in Ruhe prüfen, annehmen oder verwerfen. Nur aus einer vollkommen freien Entscheidung des Menschen erwächst aber echter Glaube. So vertraute Swedenborg fest darauf, daß die durch ihn den Menschen vermittelte Lehre - das "Neue Jerusalem", nach einem Bild aus der Apokalypse - sich mit der Zeit von selbst durchsetzen werde. Er hat übrigens niemals jemanden zum Austritt aus dessen jeweiliger Kirche bewegen wollen, und ist auch selbst bis zum Ende in der seinen, der schwedischen Reichskirche, verblieben. Die heute bekannte "Neue Kirche", die Swedenborgs Lehre bewahrt, hat sich erst einige Zeit nach seinem Tod gebildet.

Er selbst sagt zum Thema Kirche - und Kirchen - folgendes: »Würde anerkannt, daß es die Liebe zum Herrn und zum Nächsten ist, wovon die Propheten reden und daß dies das Wesentliche aller Lehre und Gottesverehrung sei, dann würde das Gemüt erleuchtet werden durch unzählig Vieles in der Heiligen Schrift, was sonst im Dunkel einer falschen Lehre verborgen bleibt. Dann würden die Irrlehren zerstreut, und aus den vielen würde eine Kirche werden, wie sehr auch die Lehrbestimmungen verschieden wären. Alle würden dann wie Ein Mensch vom Herrn regiert, denn sie wären wie Glieder und Organe eines Leibes . . . Dann würde ein jeder, welcher Lehre und welchen Gottesdienstes er auch sein möge, sagen: der ist mein Bruder; ich sehe, daß er den Herrn verehrt und daß er gut ist . . . Die Kirche ist der Himmel des Herrn auf Erden. Die Mannigfaltigkeit in seiner Verehrung infolge der Mannigfaltigkeit des Guten bringt keinen Nachteil, sondern Vorteil: Die Vollkommenheit des Himmels beruht auf ihr.«


Der Achtzigjährige


Der Begriff des "Neuen Jerusalem" stammt, wie gesagt, aus der Geheimen Offenbarung des Johannes, der Apokalypse. Sie hat Swedenborg in besonderer Weise gefesselt, und er verfaßte mehrere Kommentare dazu. - Hernach erschien 1768 "Die eheliche Liebe", ein ganz eigentümliches Werk, das wohl auch - zusammen mit "Himmel und Hölle" - Swedenborgs Einfluß am weitesten getragen hat. Durchwirkt von langen Visions-Sequenzen entrollt es seine einzigartige Lehre von der Ehe als Grundprinzip in dieser wie in jener Welt. - Man mag darüber lächeln, daß der Verfasser eines solchen Buches ausgerechnet ein achtzigjähriger Junggeselle war. Übrigens: Weltfremdheit hat man dieser Schrift niemals vorgeworfen, viel eher ihr sehr weitgehendes Verständnis für menschliche Schwächen. - Sie wird noch näher zu besprechen sein.

Es sind gerade aus dieser späten Zeit besonders reiche und lebendige Schilderungen von Swedenborgs Äußerem und seiner Lebensweise erhalten. Er war schlank und elastisch, trotz seiner Jahre recht kräftig und jugendlich wirkend. In der Tat war seine Gesundheit glänzend, absolut wetterfest, und besonders in der zweiten Hälfte seines Lebens war er bis kurz vor seinem Ende niemals ernstlich krank.

Es gibt mehrere bildliche Darstellungen von ihm in verschiedenen Altersstufen. Am bekanntesten ist das in Schloß Gripsholm befindliche Porträt, das ihn wohl im Alter von über achtzig Jahren zeigt; er sieht da freilich wie ein würdiger Sechziger aus, recht steifoffiziell, aber vermutlich durchaus lebensecht: Das längliche, gutgeschnittene Gesicht mit langgezogener Nase, die Mundpartie kraftvoll, aber ohne Härte. Nicht so sicher ist, ob das Gemälde einen richtigen Eindruck von den Augen vermittelt: Nach den Schilderungen seines Amsterdamer Bekannten Cuno waren sie etwas ganz Besonderes, blau und schön bis ins höchste Alter, stets von einem Lächeln umspielt, und »es war, als ob die Wahrheit selbst aus ihnen spräche.«

Von allen, die ihn kannten, wird er als würdevoll und gelassen, aber ungemein liebenswert im persönlichen Umgang geschildert. Wohltuend war allein schon seine harmonische Ausgeglichenheit, sein stets zufriedenes Wesen. Auch Bekannte, die sich - wie z. B. der genannte Cuno - mit seinen Lehren und Gesichten nicht recht befreunden konnten, suchten doch immer wieder seine Gesellschaft. Swedenborg war alles andere eher denn ein Fanatiker oder Proselytenmacher; man konnte sich mit ihm über jeden Gegenstand unterhalten. Als welterfahrener Mann war er taktvoll und diskret, von exquisiten Manieren und einer wirklichen Höflichkeit des Herzens. Deshalb waren ihm auch einfache Menschen zugetan. Seine holländischen oder englischen Zimmervermieter wunderten sich bloß über seine Mäßigkeit und eine für die westeuropäischen Verhältnisse des achtzehnten Jahrhunderts ganz ungewöhnliche Anspruchslosigkeit - denn er bediente sich in fast allem selbst -, doch waren sie erfreut über seine Großmut. Am meisten liebten ihn die Kinder. Nur sah man es etwa in Amsterdam gar nicht gern, daß er auch mit Juden und anderen wenig gesellschaftsfähigen Leuten Umgang hatte.


Unter göttlichem Befehl und Schutz


Dennoch darf man sich nicht täuschen: Das Urteil der gebildeten oder gar der gelehrten Welt über das höchst unbequeme Phänomen Swedenborg war schon damals sehr zwiespältig. Es fehlte bald nicht an Schmähschriften und ausgesprochenen Verleumdungen. Das Ergebnis war eine weit über seinen Tod hinauswirkende, stillschweigende Verfehmung. Viele seiner Anschauungen wurden zwar eifrig weitergegeben, aber meist ohne Nennung des fatalen Urhebers.

Swedenborg selbst hat sich von Anfang an niemals Illusionen gemacht; er war sich sehr wohl bewußt, daß er seinen einst so ausgezeichnet fundierten Ruf als Gelehrter durch die Herausgabe der theologisch-visionären Schriften selbst wieder vernichtete. Bezeichnend ist die Antwort, die er einmal dem ihm befreundeten Reichsrat Graf von Höpken auf dessen Frage, weshalb er denn diese Werke überhaupt veröffentliche, gab: »Ich habe Befehl vom Herrn, sie niederzuschreiben und herauszugeben. Glauben Sie nicht, daß ich ohne diesen ausdrücklichen Befehl mir hätte einfallen lassen. Dinge bekannt zu machen, von denen ich im voraus als gewiß annehmen mußte, daß man sie für Lügen halten und daß sie mich im Geiste vieler Leute lächerlich machen würden. Wollte ich sie aber versichern, daß ich diesen Befehl erhalten habe, so würden sie mir nicht glauben. Aber dann wird mir wenigstens die Befriedigung bleiben, daß ich den Befehlen meines Gottes gehorcht habe .... «

Durch Klugheit und Umsicht gelang es Swedenborg freilich jahrzehntelang, echte Bedrohungen für seine Person oder für seine Schriften, die er einmal als sein "zweites Ich" bezeichnet hat, abzuwenden. Aber noch war das Zeitalter der Ketzerprozesse. Seine Werke waren allmählich auch in Schweden unter der Hand, teils durch den Autor selbst, in interessierten Kreisen verbreitet worden. Im Jahr 1769 erhob ein Teil der Geistlichkeit heftigen Einspruch dagegen und brachte die Sache vor Gericht. Es bestand auch ein Plan, Swedenborg, der sich gerade wieder zuhause aufhielt, selbst vorzuladen und ihn für wahnsinnig zu erklären. Dieses Vorhaben erstickte freilich schon im Keim, da es wegen der hohen Verdienste des Beschuldigten und seines persönlichen Ansehens - nicht zuletzt auch bei der königlichen Familie -, sowie wegen seiner einflußreichen Verwandtschaft, die zumindest keinen Skandal wünschte, gar zu aussichtslos erschien. Selbst die richterliche Entscheidung gegen seine Schriften und Anhänger fiel recht gemäßigt aus. - Der Seher selbst hatte schon vorher in einer Vision die himmlische Versicherung erhalten, daß ihm nichts geschehen werde.


Letzte Reise


Als der Sturm abgezogen war, verließ er im Juli 1770 abermals Schweden - gewiß zur großen Erleichterung von Freund und Feind. Noch einmal fuhr der alte Mann über die Nordsee, mit einem Entwurf zu seinem letzten Werk im Gepäck. Nach wie vor reiste er ganz allein; fühlte er sich doch stets von Engeln umgeben.

Wieder in Amsterdam arbeitete Swedenborg in unglaublichem Tempo sein umfangreiches Werk aus. Dabei durfte ihn aufsuchen, wer Lust hatte, und er folgte gerne jeder Einladung. Cuno wundert sich darüber recht wortreich in seinen Aufzeichnungen, die er mit der Bemerkung schließt: »Er sagt, sein Engel diktiere ihm, und er könne geschwind genug schreiben.« - Auf diese Weise entstand "Die Wahre Christliche Religion" von 1771, eine imponierende Darstellung und Zusammenfassung von Swedenborgs gesamten Anschauungen und Lehren, abermals mit zahlreichen Visionsberichten. Es soll freilich nicht verschwiegen werden, daß in diesem Buch sein ihn seit der Berufung beherrschendes prophetisches Sendungsbewußtsein in einer Weise kulminiert, die auch bei einigen seiner anfänglichen Anhänger einen Schock ausgelöst hat. - War Swedenborg zu weit gegangen?


Tod in London


Nach dem Erscheinen des großen Werkes arbeitete er jedenfalls unermüdlich weiter, steckte voller Projekte für neue Schritten und plante für das nächste Jahr eine Reise nach Süddeutschland und der Schweiz. Für den Winter 1771 aber ging er wieder nach London. Hier hat er knapp vor Jahresende einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung erlitten, von dem er sich nicht mehr erholen konnte.

Als sich sein Zustand nach kurzer Besserung etwa Anfang März wieder verschlechterte, rief man den Pfarrer Ferelius von der schwedischen Kirche in London zu ihm. Dieser Geistliche berichtet:

»Ich stellte ihm vor, ob er nicht, da viele glaubten, daß er durch sein neues theologisches System sich nur einen großen Namen hätte machen oder berühmt hätte werden wollen - was er ja auch wirklich dadurch erreicht habe - sich jetzt bereit finden würde, der Welt die Gerechtigkeit zu erzeigen, das Ganze oder einen Teil desselben zu widerrufen, besonders da er ja keinen Nutzen mehr in dieser Welt erwarten könne, die er jetzt doch bald verlassen müsse. Hierauf erhob sich Swedenborg halb aufrecht in seinem Bette, die gesunde Hand auf seine Brust legend, und sagte mit einigem Eifer: "So wahr Sie mich hier vor Ihren Augen sehen, so wahr ist auch alles, was ich geschrieben habe, und ich hätte mehr sagen können, wenn es mir erlaubt gewesen wäre. Wenn Sie in die Ewigkeit kommen, werden Sie selber alles sehen, und Sie und ich werden viel miteinander darüber zu reden haben." - Auf die Frage, ob er nicht des Herrn Heiliges Nachtmahl nehmen wolle, antwortete er mit Dankbarkeit, daß es gut von mir gemeint sei. Obgleich er als ein Mitglied der anderen Welt dieses Sakramentes nicht bedürfe, so wolle er es doch annehmen, um dadurch die Gemeinschaft zu zeigen, die zwischen der Kirche dort oben und der hienieden bestehe, wobei er mich fragte, ob ich seine Ansichten über das Sakrament des Altars gelesen habe. Befragt, ob er sich für einen Sünder erkenne, antwortete er: "Gewiß, solange ich diesen sündhaften Leib mit mir herumtrage." Mit vieler Andacht, mit gefalteten Händen und entblößtem Haupt legte er das Sündenbekenntnis ab und empfing das Heilige Sakrament.«

Swedenborg hat seine geistige Klarheit bis zur letzten Stunde bewahrt. Wenige Wochen nach der geschilderten Szene verschied er still an einem Sonntagnachmittag, dem 29. März 1772, den er, wie es heißt, als seinen Todestag vorausgesagt hatte.

Weit über ein Jahrhundert lang verblieb seine sterbliche Hülle in London, wo sie unter dem Altar der schwedischen Kirche beigesetzt ward. Erst im Jahre 1908 wurde sie im Auftrag der schwedischen Regierung auf einem Kriegsschiff nach Schweden überführt und feierlich in der Kathedrale von Uppsala beigesetzt, wo die schwedischen Könige und die Größen der Wissenschaft ruhen.

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